CAMPUS ON TOUR

Agnes Schröter und Martin Schiedt

Agnès Schröter und Martin Schiedt aus Horb am Neckar

"Überall wurden wir herzlich empfangen" - 2 Jahre von der Schwäbischen Alb aus über Bali bis nach Australien (und zurück)

Reisezeitraum: 8. Juli 2013 bis 1. August 2015
Strecke: ca. 27.500 km
Bereiste Länder:  Österreich, Slowakei, Ungarn, Ukraine, Moldawien, Georgien, Armenien, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kazachstan, Kirgistan, China, Vietnam, Laos, Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien, Australien, Türkei, Griechenland, Mazedonien, Albanien, Montenegro, Kroatien, Slowenien, Italien.
 
 
Auf dem Rad den Spuren der Seidenstraße nach Asien folgen und weiterfahren bis mindestens nach Hanoi, so war unser Plan! Unter diesem abenteuerlichen Motto machten wir uns Anfang Juli 2013 von Zuhause aus auf den Weg, um den fernen Osten zu erkunden.
 
Doch wie war es dazu gekommen? Als wir uns vor einigen Jahren kennenlernten, wurde schnell klar, dass uns das gemeinsame Hobby des Reisens mit dem Rad verbindet. Mit einfachen Mitteln in der Natur leben. Dort übernachten, kochen und Ruhe und Stille genießen. Sich auf die Natur einlassen. Autos oder öffentliche Verkehrsmittel wollten wir hingegen nur nutzen, wenn es sich nicht vermeiden lassen sollte. In der fast zweijährigen Vorbereitungszeit kauften wir uns zunächst einmal gute Reiseräder. Unsere Wahl fiel auf das TR10 von Campus. Besonderen Wert legten wir auf stabile Gepäckträger und einfach zu tauschende Komponenten.

Es war ein eigenartiges Gefühl, mit unseren Reiserädern am 8.7.2013 in Süddeutschland zu starten und durch einheimische Gefilde zu radeln. Vollbepackt wie wir waren wurden wir schon hier gegrüßt und mit guten Wünschen auf die Reise geschickt. Die Fragen nach dem Ziel trauten wir uns zunächst gar nicht wahrheitsgemäß zu beantworten. Wer auf der Schwäbischen Alb hätte uns geglaubt, wenn wir "nach Hanoi" geantwortet hätten.

Der Donau entlang hatten wir eine schöne Eingewöhnungszeit, da die Radwege gut beschildert und einfach zu befahren sind. Deutschland, Österreich und die Slowakei waren dementsprechend schnell durchquert. In Budapest beschlossen wir, das Donautal zu verlassen und uns mehr in Richtung Nordost zu orientieren. Schließlich wollten wir das Bück-Gebirge mit seinen schönen bewaldeten Naturparks und die Karpaten kennenlernen. Gleichzeitig verließen wir dadurch auch die schönen Fahrradwege und sahen lange Zeit keine anderen Radreisenden mehr. Dafür faszinierten uns in Ungarn die unendlichen Weiten der Sonnenblumenfelder.
 
 
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Wir waren sehr gespannt auf die Länder der ehemaligen Sowjetunion. Im Vorfeld hatten wir noch keines je bereist. Zunächst erreichten wir die Ukraine. Dort fielen uns Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Ukrainer besonders auf. Sie suchten das Gespräch und waren an unserer Reise sehr interessiert. Leider „funktionierte“ Englisch nicht ohne weiteres. Wir verständigten uns mit Händen und Füßen, mit einzelnen internationalen Worten, mit Zeichnungen, und ... es klappte. Schnell stellten wir fest, dass es in der Ukraine keine Campingplätze gab. Wasser, das wir in Ungarn noch fast in allen Dörfern aus öffentlichen Brunnen bezogen, fehlte und wir begannen uns mit Mineralwasser zum Kochen und Waschen einzudecken.

Über Moldawien und mit einem Abstecher nach Transnistrien gelangten wir zum zweiten Mal in die Ukraine, von wo aus wir die Fähre über das Schwarze Meer nahmen. Vier Tage später radelten wir durch das grüne und bergige Georgien nach Armenien, wo uns bei jeder Tagesetappe ein Pass erwartete. Grüne Täler, mit Gärten voller Früchte und Pässe, mit kahlen Bergen, wechselten sich ab. Von den Hochebenen aus sah man etliche Vulkane. Nun radelten wir tagelang auf Ausläufern der ehemaligen Seidenstraße, alten Karawanenwegen die dem Handel dienten.
 
 
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Bevor wir in den Iran einreisten passten wir uns den dortigen Bekleidungsvorschriften an und waren doch etwas nervös, da wir nicht wussten was uns dort genau erwarten würde. Wir stellten jedoch schnell fest, dass die iranische Bevölkerung unglaublich hilfsbereit und zuvorkommend ist. Aus fahrenden Autos heraus wurden wir mit "Welcome"-Rufen begrüßt. Wir bekamen täglich Obst, Süßigkeiten oder Brot geschenkt. Nach zwei Monaten Reisezeit im Iran, einer guten Mischung aus Kultur und Natur, fiel uns der Abschied von Land und Leuten nicht gerade leicht. Der Winter stand vor der Tür als wir Mitte November durch Turkmenistan reisten.
 
 
Aygul, der turkmenische Bauer

Wie so oft, kaum steht das Zelt, bekommen wir Besuch. Ein Bauer, mit einer Strohgabel in den Händen, steuert schnurstracks unser Zelt an. Um die Situation zu entspannen – man weiß ja nie was kommt – geht Martin freundlich mit ausgestreckter Hand auf den Bauern zu. Händeschütteln entspannt nahezu jede Situation. Der Mann ist klein, stabil gebaut und macht einen zähen Eindruck. Er schaut Martin skeptisch an. Mit Gebärden zeigen wir ihm, dass wir gerne auf dem Feld übernachten wollen.

Der Mann nickt und gibt uns stolz zu verstehen, dass er der Besitzer dieses großen Feldes ist. Aygul möchte uns zu sich einladen, doch wir lehnen ab. Aber Aygul lässt nicht locker. Er vermittelt uns, dass es in der kommenden Nacht sehr kalt werden würde. Wir würden frieren. Kann das sein? Noch ist es ein angenehmer Spätnachmittag und der klare Himmel färbt sich langsam rot-lila. Wir zeigen auf unsere Schlafsäcke und geben Aygul zu verstehen, dass Kälte kein Problem für uns wäre. Nach einigem Hin und Her wird ihm klar, dass wir unsere Meinung nicht mehr ändern werden.

Nachdem er gegangen war, machen wir es uns im Zelt gemütlich. Es ist deutlich kühler geworden und wir kuscheln uns in unsere warmen Schlafsäcke. Später, wachen wir auf und hören die Stimme des Bauern Aygul. Das darf doch nicht wahr sein, denken wir. Hat man denn hier keine Ruhe? Da wir aber wissen, dass es der nette Bauer ist, fallen wir bald wieder in unseren wohlverdienten Schlaf.

Wir wachen erfrischt auf, es ist schon hell. Was für eine freudige Überraschung am frühen Morgen: Aygul hat uns ein Essenspaket in den Vorraum des Zeltes geschoben und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: ein großes Einmachglas mit eingelegten süßsauren Gurken, ein selbstgebackenes großes Stück Brot, Butter, drei reife Zitronen und Äpfel. Doch als wir durch die Luken unseres Vorzeltes nach außen spähen sind wir völlig baff. Die Landschaft um uns herum hat sich verändert. Wir können es kaum fassen. Wir fühlen uns wie in einem Strohlager. Was ist passiert? Mitten in der Nacht hat der Bauer Aygul unser Zelt mit seinen Strohballen ringsum eingemauert. Eine gegen die Kälte schützende Strohballenwand errichtet. Sie ist so hoch wie das Zelt und umgibt es vollständig. Was für eine Arbeit mitten in der Nacht. Was für eine Gastfreundschaft auf einem einfachen Feld!
 
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Endgültig eingeholt hat uns der Winter dann in Usbekistan, wo wir eines Morgens in einer schneeweißen Landschaft erwachten. Legendäre Städte wie Samarkand und Buchara mit ihren tolle Prachtbauten, Mausoleen und Moscheen aus der Zeit der Karawanen, entschädigten für alles. Eine Szenerie wie aus 1000 und einer Nacht!

Durch Kazachstan erreichen wir zum Jahreswechsel die kirgisische Hauptstadt Bishkek, in der wir eine Zeitlang überwinterten und weitere Pläne für den Winter schmiedeten. Wir entschlossen uns, den restlichen Winter ohne Räder in Indien und Nepal zu verbringen und unsere Reise durch Kirgistan im Frühjahr fortzusetzen.
 
 
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So eröffneten wir Ende März 2014 unsere Frühjahrsradlersaison, indem wir Kirgistan, das Land der Jurten und Pferde, ausgiebig erkundeten. Hier warteten einige Pässe die über 3.000 m Höhe liegen auf uns, so z.B. der Taldyk Pass mit 3.615 m Höhe. Die überwältigende Fernsicht, mit einem von 6000ern und 7000ern gespickten Bergpanorama ließ uns alle Anstrengungen vergessen.

Die chinesischen Provinzen Xinijang, Gansu, Sichuan und Yunnan durchquerten wir teilweise mit Bussen, da wir uns nicht abhetzen wollten. Die Entfernungen sind riesig, viele Sehenswürdigkeiten warten am Wegesrand darauf erkundet zu werden. Darüber hinaus sind die Bedingungen für Fahrradfahrer teilweise sehr schlecht. Schlammstraßen, Schwerverkehr und eine nicht enden wollende Aneinanderreihung von Baustellen erschwerten das Vorankommen und setzten uns und unsere Räder enormen Belastungen aus. Unsere Freude war dementsprechend riesig, als wir nach fast genau einem Jahr (am 3.7.2014) unser Hauptziel Hanoi in Vietnam erreichten. Bis hierher hatten wir geplant und Landkarten mitgeführt. Alles was jetzt noch folgte, sollte Zugabe sein. Und diese war enorm!
 
 
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Von Hanoi aus, durchquerten wir halb Vietnam, reisten durch Laos nach Thailand und weiter in den Süden nach Malaysia bis Singapur. Eine Fähre brachte uns nach Java, den verkehrsreichsten Landstrich unserer gesamten Reise. Im Anschluss durchquerten wir Bali, Lombok und verbrachten Weihnachten 2014 und den Jahreswechsel auf der Insel Gili Air.

Im Januar 2015 flogen wir dann mit unseren Rädern nach Australien, wo wir von Perth aus die Westküste bis Esperance entlang radelten. Die Wüstendurchquerung des "Nullarbors" mit Temperaturen über 40 Grad war eine super Erfahrung für uns. Wir mussten Proviant für 14 Tage mitnehmen und Wassertransporte organisieren. Doch mit Hilfe der gastfreundlichen Australier funktionierte alles wunderbar.
 
 
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Nach drei Monaten Australien flogen wir Ende April 2015 in die Türkei und radelten über Griechenland, Mazedonien, Albanien, Montenegro, Kroatien, Slowenien, Italien und Österreich wieder nach Deutschland zurück. Dahin, wo wir zwei Jahre zuvor gestartet waren. Insbesondere die durchweg positiven Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen haben bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Lukas Adrion (Kopie)

Lukas Adrion (24) aus Backnang/Mittelschöntal

"Eine wundervolle Zeit" - 1 Jahr durch Mittel- und Südamerika

Reisezeitraum: 6. Dezember 2012 bis 8. Dezember 2013
Strecke: ca. 19000 km
Bereiste Länder: Mexiko, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Chile und Argentinien
 
 
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tl_files/cam/images/campus/campus on tour/LA _ Rad im Matsch.JPG tl_files/cam/images/campus/campus on tour/LA _ Rad im Schnee.JPG
 
 
Es war ein seltsames Gefühl, alles hinter mir zu lassen. Mein Spanischwortschatz war auf nur 20 Worte begrenzt. Ich war auch noch nie so weit und lange von zu Hause weg gewesen, wie ich es dieses Mal geplant hatte. Ich wusste nur, dass ich in etwa einem Jahr bei meinem Onkel im patagonischen Argentinien (El Bolson) sein wollte, der dort einen ökologischen Landwirtschaftlichen Betrieb führt.

Also radelte ich durch Zentralamerika. Mit einem kleinen Dieseldampfer ging es von Panama nach Kolumbien über Ecuador, Peru, Bolivien und Chile bis nach Argentinien, wobei ich meist die anspruchsvollere Route über die Anden nahm.

Es ist schwer, eine solche Reise in einem kurzen Bericht zusammenzufassen. Es sind aber eher die kleinen Dinge, die mir als erstes in den Sinn kommen. Die zwischenmenschlichen Begegnungen mit den Einheimischen, die Möglichkeit, einer so fremden Kultur etwas näher zu kommen. Die vielen Kinder und streunenden Hunde, die tropischen Früchte, wie Mangos, Bananen, Papayas und Avocados. Die gigantischen, unendlich weiten und so unterschiedlichen Landschaften.
 
 
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Tagebucheintrag vom 2. Juni 2013 (Peru)
 
Im Städtchen Caraz (2000m ü.M.) übernachte ich in der Turnhalle. Am nächsten Tag geht es weiter, vorbei an kleinstrukturierter Landwirtschaft. Das meiste wird von Hand gearbeitet. Ich sehe zwei Jungs, die ein Pferd am steilen Acker führen, wie die Schaar in den Kartoffeldamm sticht, mit schnellen Händen werden die Erdfrüchte eingesammelt und in Säcke gepackt. Ich höre Gringorufe und ein „Good bye, Mister“ vom Acker.

Links bunt gekleidete Frauen mit Babys auf dem Rücken, die Getreidegaben binden, rechts ein Bauer mit zwei Ochsen und dem Pflug. Zwei Esel, die unter der Maispflanzenlast kaum zu erkennen sind. Der Mann, der sie führt, ist selbst auch schwerst beladen, hält aber mit der linken Hand sein Mobiltelefon ans Ohr. Hinterher tribbelt ein tolles kleines Eselbaby.

Während ich eine Herdenmischung aus Kühen, Schweinen, Schafen und einem Esel überhole, die von einem etwa 14-jährigen Jungen getrieben wird, rieche ich den Duft frisch gefällter Eukalyptusbäume.

Für mich ist es so beeindruckend das alles zu sehen, ein Geschenk. Es ist mir unangenehm, die Menschen beim Arbeiten zu fotografieren. Wenn ich mit Indios ein nettes Gespräch führe, will ich oftmals nicht fragen, ob ich ein Foto machen darf, es kommt mir so „zerstörerisch“ vor, die Menschen hier wollen es meistens auch nicht.
 
 
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Dann weiter oben auf den Bergen wird es wieder einsamer. Bäume werden zu Büschen und irgendwann gibt es nur noch Gräser und Bergpflanzen. Es durchfährt mich ein Sehnsuchtsgefühl, wenn ich in der Ferne die in der Sonne glitzernden schneebedeckten Berggipfel erblicke.

Ich mag es sehr, mich in den Bergen ins Gras zu legen. Ich höre das Summen einer Hummel, wie der Wind durch die Gräser weht, sehr weit entfernt das kaum hörbare Rauschen eines Baches...

Es ist wunderbar, in den Bergen frische Milch zu trinken. Als ich die Frau nach dem Preis frage sagt sie: „Nada jovensito“ - nichts Jüngling. Die Menschen über 4000m leben in kleinen runden Steinhütten die mich an die Behausung von Hörbe und Zwottel erinnern. Sie leben hier einfach, ohne Schnickschnack.
Hier oben geht es langsamer voran, ich muss alle 10 Minuten Pause machen, dann alle fünf Minuten, und fühle mich wie ein alter Mann.

Ich erblicke herdenweise Lamas in ihrem weißen Fell. Wenn ich laut rufe, recken sie ihre langen eleganten Hälse und acht Dutzend Lamas schauen mich verwundert und interessiert an, wenden sich nach kurzer Zeit aber wieder dem mageren Gras und den leckeren Bergkräutlein zu.

Oben angekommen freue ich mich schon auf die Abfahrt, denn es ist bitter kalt, ich habe  Kopfschmerzen und der Tag neigt sich schon dem Ende zu, noch einen letzten Blick an den Horizont, wo ich die weißen Riesen erblicke. Sie haben etwas Erhabenes. Das menschliche Dasein erscheint dagegen so bedeutungslos und vergänglich.
 
 
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Das Reisen kann eine Lebensschule sein. So gesehen kann speziell das Radreisen zu den Elitegymnasien der Lebensschulen gezählt werden. Es kommt eben ganz darauf an, wie der Schüler mit den gestellten Aufgaben umgeht. Viele Erfahrungen meiner “kleinen Reise” sind auf das “große Leben” übertragbar. Die Durststrecken durch endlos scheinende Trockengebiete lehrten mich, ”Unangenehmes” auszusitzen, bei Gegenwind gleichmütig zu sein.
Eine wundervolle Zeit, die mein ganzes Leben noch so stark prägen wird, in der ich so viel lernen und sehen durfte. Es bleibt ein Gefühl der Dankbarkeit.
 
 
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Von Patagonien zur Karibik - 1 Jahr durch Südamerika (Kopie)

Bernhard Maier (35) aus Paris / Römerberg

Von Patagonien bis zur Karibik - 1 Jahr durch Südamerika

Reisezeitraum: 3. Januar 2012 bis 5.Dezember 2012
Etappentage: 225 (113 Ruhetage)
Fahrzeit: 1 148 Std.
Strecke: 16 942 km (ca. 7000 km auf Schotterpisten)
 
Bereiste Länder: Chile, Argentinien, Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien
Höchster überfahrener Punkt: 4891 m ü NN (Punta Olimpica am Huascaran in Peru)
Größte an einem Tag überwundene Höhendifferenz: 2007 m (cuesta de Lipan in Argentinien)
Tiefste Tagesabfahrt: 2462 m
Höchste gemessene Temperatur: +42°C (beim Radeln in Nordargentinien)
Tiefste gemessene Temperatur: -15°C (beim Zelten in den peruanischen Anden)
 
 
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Patagonien/Carretera austral
 
Als ich meine Jahrestour mit dem Rad durch Südamerika plante, musste ich mir als erstes überlegen, wie ich gut durch die Jahreszeiten komme und mögliche Wind- und Sturmperioden bzw. die Regenzeiten vermeide. Los ging es im Januar 2012 in Patagonien im tiefen Süden Chiles. Auf der carretera austral, der südlichen Landstraße, hatte ich oft den Eindruck auf einem kleinen Weg abseits der Hauptstraße zu fahren. In Wahrheit ist es die einzige Straße überhaupt im Süden Chiles! Ein wahres Radlerparadies, so dass wir zeitweise zu zehnt auf der Strecke waren: Italiener, Spanier, Argentinier, Brasilianer, Deutsche und Franzosen. Auf der argentinischen Seite der Anden erlebte ich dann sehr heftige Winde, die ohne Nachlassen rund um die Uhr wehten und mich manchmal zur Verzweiflung brachten. Immer von der Seite kommend waren sie auch gefährlich. Man wurde ständig auf die Gegenfahrbahn gedrückt oder sogar in den Seitengraben!
 
 
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Bergetappen in Nordargentinien
 
In Nordargentinen ging es dann das erste Mal in richtig hohe Lagen auf über 3000m bis 4000m üNN. In sehr dünn besiedeltem Berggebiet und meist auf Schotterpisten boten sich mehrere atemberaubende und erlebnisreiche Bergetappen an. Besonders die Cuesta da Zapata hatte es in sich. Dieser schmale und steile Schotterweg schlängelt sich nur so durch die felsigen Berge. Mehrfach wurde mir vor Augen geführt warum diese Strecke für Autos nicht mehr befahrbar ist. Kleine Erdrutsche und Einbrüche zwangen mich immer wieder das Rad durch steile Bodenabsenkungen zu wuchten oder gar alles abzupacken und und über Felsblöcke zu tragen. Ein Abenteuer in fast vollkommener Stille, nur vom Rauschen des Windes untermalt.
 
 
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Durchquerung der Salzwüste von Uyuni
 
Den Winter von Juni bis September verbrachte ich in Bolivien und Peru. Es war Trockenzeit. In den Hochlagen der Anden bedeutete dies jeden Tag strahlenden Sonnenschein, der uns nach den stets kalten Nächten wieder aufwärmte. Die Fahrt durch die weltgrößte Salzwüste von Uyuni in Bolivien war dabei ein einmaliges Ereignis. Wenige Kilometer vor der Wüste traf ich einen argentinischen Radler in meinem Alter und so fuhren wir zusammen zum Beginn der tellerflachen Wüste. Zunächst mussten wir durch knietiefes Wasser waten, das noch von der letzten Regenperiode zwei Monate zuvor übrig geblieben war. Dann ging es auf holprigem Salz dem leeren Wüstenhorizont entgegen, in dem Wissen, dass uns mein GPS mit den Koordinaten der sogenannten Insel zum einzig bewohnten Punkt in der Salzwüste bringen sollte. Einige Stunden später tauchte tatsächlich ein kleiner grüner Berg im weißen Nichts auf. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit und bei klirrender Kälte erreichten wir wie Schiffbrüchige die rettende Insel im Meer! Nur Radler dürfen dort in einem kleinen Haus übernachten. Ein Goldenes Buch zeugt davon, dass dort in den vergangenen Jahren bereits mehrere Hundert Radler nächtigten. Es war eine Ehre, sich hier eintragen zu dürfen! Mein Rad war nicht mehr wiederzuerkennen: Hart gefrorenes Salz färbte es weiß wie Schnee. Ich musste es am nächsten Morgen abklopfen, bevor es über dann sehr glattes Salz bei 40km/h spielend wieder dem "Festland" entgegen ging.
 
 
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Dschungelfahrten in Ecuador und Kolumbien
 
Die Dschungelfahrten in Ecuador und Kolumbien waren dann nochmal ein echtes Highlight meiner Tour! Von 3000m in den Anden ging es steil hinab ins Tal in die Küsteregion bzw. in das Amazonasbecken. Letzteres bezeichnet die Tieflagen, deren Flüsse später in den Amazonas münden. Nicht nur die Temperatur, Vegetation und Tiere waren hier ganz anders, sondern auch die Leute! Innerhalb von weniger als 100 Kilometern wechselte man sozusagen den Kulturkreis, von den spanisch- oder indiostämmigen Bergbewohnern zur Regenwald-Bevölkerung oder an der Küste zu den afro-stämmigen schwarzen Bevölkerungsgruppen. Vor allem an der Küste wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie es sich anfühlt, wenn man der einzige mit anderer Hautfarbe ist. Das Leben der Menschen im Amazonasdschungel war einfach und bescheiden, aber auch sehr herzlich. Oft wurde ich zum Essen, zu einem bei feucht-schwülen Temperaturen erfrischendem Bier oder zum Übernachten mit einfacher Dusche im Garten eingeladen. Landschaftlich prägend waren hier vor allem Bananenstauden, die überall bis an den Straßenrand zu sehen waren. Nachdem mir ein Ecuadorianer vor einem Abendessen zeigte, wie man Kochbananen zubereitet, gab es die bei mir dann auch oft zum Frühstück oder abends.
 
Mit Ankunft an der Karibik in Kolumbien ist meine Radtour in Südamerika im vergangenen Dezember nach 17.000 km erfolgreich zu Ende gegangen. Es war ein einmaliges, erlebnisreiches, spannendes und teilweise auch hartes Jahr auf der Landstraße!
 
 
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Einmal Groningen und zurück

Paul Geiger (51) aus Vaihingen an der Enz

Einmal Groningen und zurück: Diese Tour kann ich nur jedem empfehlen!

Reisezeitraum: 18.August bis 8.September 2012
Etappentage: 18
Fahrzeit: 131,44 h
Km: 2366,5 km
 
Die Route: Aurich (Vaihingen/Enz) - Heidelberg - Mannheim - Köln – Rotterdam – Den Haag – Groningen – Oldenburg – Bremen – Hannover – Kassel – Fulda – Wertheim (Ziel).
 
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„Als passionierter Radler lege ich im Jahr etwa 10.000 km auf dem Fahrrad zurück. Da ich einen Freund in Groningen (Niederlande) habe, dachte ich mir, dass es sich doch anbieten würde ihn einmal mit dem Fahrrad zu besuchen. So plante ich die Reise im Juni und Juli.
 
Und am 18. August machte ich mich in meinem Heimatort Aurich (Vaihingen/Enz) auf den Weg. Meine Reise führte mich an Neckar und Rhein entlang über Mannheim, Köln und Düsseldorf, über die holländische Grenze bis an die Nordsee nach Rotterdam. Und dann in unserem Nachbarland weiter bis nach Groningen, wo ich zwei Tage bei meinem Freund verbrachte.
 
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Für den Rückweg hatte ich eine andere Route geplant. Dieses Mal ging es über Oldenburg, dann die Weser und Fulda entlang (über Kassel). Ab Fulda durchquerte ich dann das Sinntal bis an den Main (Gemünden), bevor ich nach insgesamt 18 Tagesetappen am Ziel in Wertheim ankam.
 
Alles in allem habe ich auf meiner Reise 2366,5 km zurückgelegt und unheimlich viele unvergessliche Eindrücke gesammelt. Ich habe nicht nur tolle Städte und wunderbare Landschaften gesehen, sondern bin auch vielen netten und hilfsbereiten Menschen begegnet. Seit meiner Reise sind die Niederlande für mich das Land des Lächelns.
 
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Obwohl ich durchschnittlich über 7 Stunden pro Tag auf dem Rad saß, fühlte ich mich abends nie erschöpft oder ausgelaugt. Im Gegenteil, das Radfahren gibt mir Energie. Ob alt ob jung, ich kann jedem nur empfehlen selbst einmal eine ähnliche Tour zu unternehmen. Viele von uns zieht es in die Ferne, dabei ist auch die Natur bei uns „vor der Haustür“ wunderschön. Hinzu kommen die wirklich guten Radwege, sowohl in Deutschland als auch im „Radfahrparadies“ Holland.
 
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Ganz wichtig ist natürlich auch das richtige Fahrrad. Wenn man so viel mit dem Rad unterwegs ist wie ich, weiß man Qualität zu schätzen. Mit meinem Campus TR2 Grand Tour bin ich super zufrieden! Das außergewöhnlich hohe Zusatzgewicht (Packtaschen, Zelt, etc.) war für mein Campus-Modell überhaupt kein Problem. Dass die Räder alle in Deutschland gefertigt werden, ist für mich ein großer Pluspunkt. Daher kann ich Campus nur jedem empfehlen – und das mache ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis auch!“